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Selbstständig und Mama 3.0 – We are family

Mama und selbstständig 3.0

Ehrlich gesagt, hatte ich durchaus meine Zweifel. Denn obwohl wir denkbar gute Voraussetzungen, genügend Rücklagen und vielleicht auch gar keine andere Wahl hatten, barg unser Plan, mein in Teilzeit betriebenes Designbüro in ein Familienunternehmen umzuwandeln, durchaus ernstzunehmende Risiken. Denn zusätzlich zu meiner geplanten Vollzeit-Beschäftigung sollte auch mein Mann – bis dato als Quality Manager bei einer kleinen Airline tätig – nach der Elternzeit bei unserem zweiten Kind als geringfügig Beschäftigter bei mir angestellt werden.

Wir erinnern uns: Begonnen hatte alles mit der großen Frage, wie das Leben als selbstständig arbeitende Mama überhaupt funktioniert (Link) und was passieren musste, dass mein Mann und ich auf die Idee kamen, mit zwei kleinen Kindern ein wirtschaftlich lohnendes Familienunternehmen auf die Beine zu stellen (Link). Kurzum: Wir haben es tatsächlich geschafft.

Taekwondo

Rückzugsmöglichkeit: Während mein Mann die Fotografie für sich entdeckt, nutze ich den Sport, um den Kopf freizukriegen.

Die Frage lautet jetzt: Wie geht es weiter?

Gerade ist unser Sohn drei Jahre alt geworden und besucht seit knapp sechs Wochen eine Kindertagesstätte, die Tochter kommt noch in diesem Jahr in die Schule. Die Vormittage gehören plötzlich mir und meinem Mann und es ist höchste Zeit, einmal durchzuatmen und sich vor Augen zu führen, was man da eigentlich geleistet hat. Klar – eine ganze Menge – und das auch noch recht erfolgreich. Trotzdem gab es Momente, in denen unser Tun auf die Probe gestellt wurde. Beispielsweise im Sommer 2014, als uns zugesagte Projekte nicht geliefert wurden und wir aufgrund der entsprechenden Planungen für zweieinhalb Monate keinen Umsatz generieren konnten. Den Rücklagen sei Dank konnten wir diese Zeit finanziell auffangen und zudem für eigene Projekte nutzen (beispielsweise für die neue Website), und – noch viel wichtiger – um unser Konzept, uns auf das Gestalten bzw. Setzen von Schulbüchern zu spezialisieren, zu überdenken.

Messe Hannover

Mit der Tochter auf der Messe „didacta“ in Hannover. Während ich beruflichen Interessen nachgehe, probiert sie neue Spielsachen aus.

Fakt ist, dass ich ursprünglich aus der Werbung komme, und daher eine Nische bedienen kann, die kaum besetzt ist: das professionelle Erstellen von Handbüchern bzw. Schulungsunterlagen für Unternehmen auch auf Basis des Corporate Designs (mehr dazu hier). Schon während der Ausarbeitung des neuen Konzepts konnten wir ein Unternehmen aus Heppenheim als Kunden gewinnen (mehr dazu hier) und uns damit ein neues Standbein schaffen. Außerdem nutzte mein Mann die Gelegenheit, sich eine weitere geringfügige Beschäftigung zu suchen, damit wir das zusätzliche Einkommen als kleinen Puffer nutzen konnten. Rein organisatorisch war das kein Problem.

Die Maßnahmen waren auch dringend notwendig, denn schon im darauffolgenden Winter/Frühjahr 2014/2015 kam die nächste Hiobsbotschaft: Starke Umsatzeinbrüche bei sämtlichen Schulbuchverlagen, die – so sagte man mir – auf die Sättigung des Schulbuch-Marktes zurückzuführen seien (persönlich bin ich der Meinung, dass hier noch andere Gründe eine Rolle spielen – dies jedoch nur am Rande). Wir hatten das große Glück, dass wir nur wenig davon zu spüren bekamen. So richtig sicher fühlte sich das jedoch nicht an.

Ostereier

Die Kinder haben von unserem Familienunternehmen sicher am Meisten profitiert: Mama und Papa sind immer für sie da. Trotzdem haben sie immer ausreichend Rückzugsmöglichkeiten im Garten, im und rund um das Haus oder beim Sport.

Deshalb auch die Frage: Wie geht es jetzt weiter?

So positiv die Entwicklung war, so gut die Auftragslage momentan und so wundervoll die Zusammenarbeit mit meinem Mann auch ist – wir haben beschlossen, unsere Sicherheit nicht auf’s Spiel zu setzen. Aus diesem Grund sucht sich mein Mann nun wieder eine Vollzeit-Beschäftigung in Form eines Angestelltenverhältnisses und ich werde mein kleines Büro so gut es geht selbst weiterführen. Da der Junior bereits in die KiTa geht, sollte die Umstellung gut funktionieren, auch, wenn das – wie früher – auf Kosten einiger Wochenenden gehen wird. Dafür wird der Lohn meiner Arbeit – ebenfalls wie früher – wieder zum willkommenen Zusatzeinkommen; Urlaub bzw. Krankheit wären nicht mehr gleichbedeutend mit totalem Verdienstausfall.

Schade ist nur, dass wir unser Modell, als Eltern gleichermaßen für die Kinder da zu sein, so nicht mehr aufrecht erhalten können. Die gemeinsamen Stunden mit meinem Mann im Büro werden mir außerdem fehlen, zumal ich ihn nie als Angestellten, sondern immer als gleichberechtigten Partner gesehen habe.

Seine Suche nach einer Vollzeit-Stelle gestaltet sich aufgrund seiner umfangreichen Qualifikationen (Feinblechbaumechanik, IT, Flugzeugmechanik, Qualitätsmanagement und DTP Operating) schwieriger als gedacht – ein paarmal wurde er bereits als überqualifiziert abgelehnt – doch wir werden die gemeinsame Zeit mit unserem kleinen Büro und der Familie genießen, so lange es eben geht. Ich bin gespannt, wohin die Reise diesmal führt.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wie schade, dass auch Euer Versuch (wie unsere) nicht geklappt hat, gleichberechtigt miteinander Familie und Arbeit zu leben! Immerhin habt Ihr in der „heißen“ Kinderphase beides unter einen Hut gekriegt!
    ich wünsch Euch beiden sehr, dass Eure neuen Pläne bald und gut klappen!
    Ganz herzlich! Deine Hiltraut

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    • Es ist nicht so, dass es nicht geklappt hat. Vielmehr wählen wir den sichereren Weg. Trotzdem vielen lieben Dank :-)

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  2. Bin heute mal wieder mehr zufällig auf dein Website gestossen und habe gesehen das sich ja einiges getan hat. Besonders gut gefällt mir der Blog. Grade beim Lesen dieses Beitrages habe ich gemerkt das die Probleme einer kleinen Agentur kein Einzelfall sind. Wenn man so seinen täglichen kleinen Kampf kämpft und man zwischendurch mal 2 oder 3 Monate keine Aufträge hat beginnt man sehr schnell sein eigenes Handeln in Frage zu stellen.

    Da sind die Aufträge die ewig in der Schwebe sind und bei denen der Kunde nur noch auf letzte Kleinigkeiten wartet die man selbst nicht beeinflussen kann. Oder begonnen Aufträge bei denen der Kunde schon seit Monaten nicht den für das Weiterarbeiten notwendigen Input liefert. Oder wenn man einen Auftrag erledigt hat, ja dann hat der Kunde grade mal kein Geld, weil er mit der Frau 4 Wochen in den USA Urlaub machen muß.

    Es ist aber schön zu lesen das es bei dir trotz der wohl manchmal schwierigen Umstände weiter geht.

    LG aus dem Westerwald

    Frank Hamm

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